Sitz, Platz, Bleib – Grundgehorsam für Anfänger

Sitz, Platz, BleibEs gibt ein sehr schönes Bild das im Internet kursiert, das unsere Anfänge so ziemlich genau beschreibt. Ein Hund, der die drei Grundgehorsam-Kommandos „Sitz“, „Platz“ und „Bleib“ zeigen soll. Bild Nr. 1 „Sitz“ zeigt einen Hund der perfekt Sitz macht und dabei auch noch in die Kamera schaut. Bild Nr. 2 „Platz“. Auch hier gibt es nichts zu meckern, sieht wirklich vernünftig aus. Bild Nr. 3 „Bleib“. Der Hund ist auf dem Bild nicht mehr zu sehen 🙂 So ungefähr fing das bei uns auch an. Wo wir jetzt stehen und wie wir den Grundgehorsam trainiert haben, verraten wir Euch heute.

Kommando „Sitz“:

Einen schief anschauen, winseln weil man das Leckerli nicht bekommt und rumhopsen waren so der Einstieg des Sitz-Trainings. Da Tabu von den ganzen Dingen wirklich nichts konnte, fingen wir also von Null an. Auf der einen Seite bei einem 2 1/2 jährigen Hund mit einem „Uffz“ untermalt, auf der anderen Seite hatte es auch seinen Vorteil, da wir ihm mit ihm trainieren konnten und uns nichts im Vorfeld aneignen mussten, was ein anderer vielleicht schon vorgelegt hatte.

Doch wie anfangen? Hier gibt es ja wiedermal unzählige Ansichten und Anleitungen, wie man dem Hund sitz bei bringt. Mit Leckerli oder ohne, mit Überreden oder warten bis ers von selbst tut und dann loben, ihn zwingen es zu tun indem man den Hintern runterdrückt. Okay Variante 3 fiel schonmal gleich weg. Ich habe einen Hund um gemeinsam mit ihm Dinge zu erreichen – in jeder Hinsicht. Und nicht ihm etwas aufzuzwingen was ich möchte. Klar gibt es in einem Zusammenleben Regeln und Dinge die funktionieren müssen. Doch ich finde man kann diese gemeinsam erarbeiten, so daß jede Partei weiß auf was zu achten ist und den Spaß an der Sache nicht verliert.

Also stand ich da nun nach unzähligen Videos, Beiträgen und Anleitungen und entschied mich wie gerade beschrieben für das gemeinsame Erarbeiten. Da Tabu und ich uns noch nicht so gut kannten, er war ja nun erst 1 Woche bei uns, schauten wir wie weit wir kamen. Da Tabu sowieso die Ganze Zeit stehend oder rennend verbrachte war ich im Vorteil mit dem was nun kommen sollte. Mit einem Leckerli bewaffnet zeigte ich ihm über den Kopf hinweg eine imaginäre Bahn Richtung Rücken. Und er setzte sich tatsächlich hin. Hochjubelnd wurde er belohnt und gekrabbelt und verbal überzuckert. Das Ganze machten wir ca. 1 Woche und er hatte es drauf. Das Kommando „Sitz“ kommt ja ziemlich häufig vor so im Alltag mit Hund und das Wichtige finde ich, das Tabu jedesmal Spaß daran hat, wenn wir damit arbeiten. Wenn wir in den Garten gehen freut er sich wie ein Gummiball, wenn die Kommandos abgefragt werden, denn er ist ja ein schlauer, gelehriger Schüler 🙂

Kommando Platz:

Puh, hier mußte ich als ich den Beitrag plante wirklich kurz überlegen wie das war. Man vergisst ja oft Dinge, die einem in Fleisch und Blut übergegangen sind. Aber da mein Hinterstübchen scheinbar noch ein Regalplatz frei war, hatte es die nötigen Informationen dort abgespeichert und ausgespuckt. Nun gut, Sitz ging ja schonmal bei Tabu. Doch wie trainiert man Platz mit einem übereifrigen, noch unausgelasteten Hund? Tabu kommt aus Polen und lebte dort als Kettenhund. Die ersten Wochen ist er hier die Auffahrt nur noch hoch und runter gepest als gäbe es kein Morgen mehr. Es war allerdings schön zu sehen, das er seine Freiheit endlich genoss und scheinbar aufholte was er so dringlich vermisst hatte. Doch fürs Training war das natürlich ein wenig Hinderlich. Daher trainierten wir anfangs mit Geschirr und Leine (zwar locker, aber so das er auch mal um einen herum blieb). Ich ließ ihn also zuerst Sitz machen und lobte hierfür schonmal. Dann ging ich vor ihm in die Hocke und legte das Leckerli zwischen Zeige- und Mittelfinger und nahm die Hand mit der Handfläche nach innen auf den Boden. Tabus Kopf folgte der Hand ebenfalls. Genau hier lobte ich schonmal für den ersten Zwischenschritt. In den nächsten Schritten zog ich die Hand dann immer vom Sitz ausgehend nach unten und ein Stück weiter zu mir hin. Irgendwann ging Tabu dann automatisch ins Platz und die Handbewegung dazu war auch schon integriert. Es lief einige Zeit wirklich gut, auch im Gruppentraining. Doch dann brach das Ganze irgendwie ein. Tabu machte Platz  nicht mehr wirklich zuverlässig und es wirkte als würde ich etwas von ihm verlangen, was er noch nie gehört hatte. Ich übte weiterhin mit dem Handzeichen und Kommando mit denen wir angefangen hatten doch Besserung zeigte sich nicht. Um nicht den kompletten Gräuel zu bekommen machten wir damit eine Pause und machten mit Tricksen weiter. Tabu liebt Tricksen und so war es eine angenehme Abwechslung. Den Trick zu der Zeit sollte sein, das Tabu von hinten durch meine Beine läuft und sich mittig ablegt. Ich nutzte unbeabsichtigt dasselbe Handzeichen wie für Platz, aber das Markerwort Down. Tja und wer lag bei dem Wort Down sofort? Ich dachte wirklich zuerst ich bin im falschen Film. Doch dann zog ich blitzschnell mein Resultat daraus und machte die Übung gleich noch einmal. Und siehe da mit Down ging es perfekt. Also wurde unser Platz das neue Down (siehe auch den Beitrag Kommando-Roulette).

Kommando Bleib:

Wenn man 2 1/2 Jahre keinen Vertrauten hatte, der Sicherheit, Geduld und Zuwendung gab, ist es schwierig dieses Kommando auszuführen. Zumindest war es für Tabu so und ist es teilweise noch. Warum sollte er jetzt fernab von uns (vielleicht 10 Schritte) warten, während wir „weggingen“? Die Distanz war für ihn inakzeptabel. Also wurde das Ganze stufenweise aufgebaut. Stufenweise hieß bei uns, das wir Tabu ins Sitz oder Platz brachten. Die Handbewegung flache Hand nach oben vor dem Körper mit gespreizten Fingern und dem Kommando Bleib zeigte ihm an was nun kommt. Dann ging man einen Schritt zurück und gleich wieder zu ihm ran. Blieb er sitzen oder liegen wurde gelobt und er bekam ein Leckerli, blieb er nicht sitzen oder liegen begann die Übung von vorne. Im Einzeltraining klappt es auch auf die Ferne inzwischen echt super, da kann ich auch schon 20 Schritte weggehen und laß ihn dann ran kommen. In der Gruppenarbeit lässt er sich  noch zuviel ablenken, aber das ist ja Ziel für 2019. Tschakka.

Das sind nun die 3 Grundgehorsams-Kommandos, die eigentlich ein jeder Hundebesitzer kennt (die Markerwörter haben wir natürlich immer dazu trainiert). Die Handzeichen und Markerwörter sind auch oft gleich oder ähnlich. Zum Grundgehorsam gehören für mich aber nicht nur diese 3 Elemente der Erziehung, sondern auch noch andere Dinge innerhalb der Familie. Wir haben 2 Kinder (3 und 9 Jahre alt), da gibt es nochmal generelle Gehorsamsregeln.

Tabus Regelwerk:

* nicht am Tisch betteln
* nicht dazwischen drängeln, wenn mit den Kinder gekuschelt wird.
   (er kann sich dazu setzen, legen alles gut, aber nicht dazwischen drängeln)
* es wird der 3jährigen Tochter nicht heimlich von hinten das Essen aus der Hand
   geklaut
* wenn am Tisch zu aufdringlich, muß er in seinem Bett warten (welches beim  
   Esstisch steht)
* Kinderspielzeug bleibt Kinderspielzeug und wird nicht Tabus Kauartikel

Das sind so erstmal die Wichtigsten Sachen. Kleinere gibt es sicher auch aber ich denke die reichen als Richtlinien 🙂

Hattet ihr Eure Hunde von Welpe an und ging es damit einfacher im Training? Oder habt ihr auch schon mit einem Secondhand-Hund trainiert und eventuell ein paar Tipps? Lasst es uns wissen 🙂

Liebe Grüße

Melanie

 

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2 Kommentare

  1. Liebe Melanie,

    toller Beitrag!
    Unser Benji ist mit 8 Wochen zu uns gekommen und von Anfang an trainieren wir mit ihm. Jetzt ist er 1 Jahr und 1 1/2 Monate alt und hat uns in so manch‘ einer Pubertätsphase schon gezeigt, dass Grundgehorsam doch total blöd ist. Aber so ist das nun mal mit den Junghunden 😉

    Ich glaube, es ist am wichtigsten, dass man dran bleibt und der Fellnase nichts durchgehen lässt. Nach vielen, vielen Wiederholungen merken sie schon, was wir von ihnen möchten.

    Liebe Grüße,
    Manja und Benji

    1. Liebe Manja,

      erstmal danke das dir der Beitrag gefallen hat ? Es wird besser mit der Zeit und du hast Recht, man muss dran bleiben. Mit Tabu wird’s auch immer besser, aber Fuss laufen zb ist echt ein hartes Stück ?

      Liebe Grüße
      Melanie & Tabu

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