Negative Geräuschprägung

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Eine Fahrradklingel ertönt, ein Glas fällt um, der Staubsauger wird geschwungen und der Kleinen fällt ihr Spielzeug herunter. Für unsere Familie alles normale Alltagsgeräusche, mit denen wir gelernt haben umzugehen und sie zu akzeptieren. Doch wie ist es für einen Tierheimhund, der aus schlechter Haltung kommt? Haben ihn diese Geräusche eventuell negativ geprägt oder kennt er sie gar nicht? Wir wurden auf jeden Fall gelehrt, wie viele Geräusche es geben kann, die Tabu Unbehagen bereiten.

Tabu sollte bei uns natürlich nicht in Angst und Schrecken leben, sondern in Frieden, mit der nötigen Entspannung und Freude auf die Entdeckungen die kommen sollten. Also hieß es für uns ihn an gewisse Dinge heran zu führen und ihm zu zeigen, daß sie ihm nichts anhaben können und er bei uns aber jederzeit Sicherheit suchen kann, sollte ihm etwas nicht gefallen.

Nun bin ich persönlich allerdings nicht der Typ Hundefrauchen, der auf Grund seiner Vergangenheit den Hund in Watte packt. Für alle, die nun innerlich aufschreien erstmal weiterlesen 🙂

Ich bin der Typ Hundefrauchen, der mit dem Hund gemeinsam die Dinge erarbeitet um sie ihm so angenehm wie möglich zu machen. Die ersten 2 Monate haben wir also erstmal hauptsächlich Bindungsarbeit mit Tabu trainiert. Er konnte danach also sicher sein, das er bei uns immer den nötigen Schutz und die Sicherheit findet, die er benötigt sollte etwas nicht so laufen wie gewünscht.

Was mir ebenfalls fern liegt ist es, den Hund ohne Ausweichmöglichkeit und der nötigen Sicherheitszone mit Dingen zu konfrontieren die ihm mißfallen. Nehmen wir also ein paar Beispiele in den Beitrag auf, an denen wir aufzeigen wie wir das Ganze mit Tabu angegangen sind.

Fahrradfahrer/Fahrradklingel

Nun ja wir haben einen 9-jährigen Sohn, der definitiv Fahrrad fährt und dies auch sehr gerne tut. Und wie Jungs nun mal sind wird’s auf dem Fahrrad auch einmal wilder. Doch bevor wir mit unserem Sohn und dem Fahrrad trainiert haben, waren wir erst mit unserer Trainingsgruppe im Ort unterwegs auf der Suche nach Fahrradfahrern. Neben uns waren auch noch 3 weitere Hunde, die an Fahrradfahrern nicht so Gefallen fanden. Zu unseren Gunsten kam einmal eine ältere Frau an uns vorbei, die ihr Fahrrad einfach an uns vorbeischieben sollte. War nicht besonders laut und so waren die Hunde eher entspannt. Wir sollten auch nicht an der Leine ziehen und somit selber Panik verbreiten, sondern entspannt bleiben und Sicherheit an der Leine bieten. Dann kamen 2 Jungs auf dem Fahrrad, die schnell unterwegs waren. Unsere Trainerin pfiff sie zurück und fragte ob sie nochmal an uns vorbei fahren könnten und diesmal klingeln. Wir sollten beruhigend bei unseren Hunden bleiben und sie loben, wenn sie ebenfalls entspannt blieben. Die Jungs fuhren nun nicht super direkt neben uns, sondern ein Stückchen weiter weg. Tabu machte in dem Falle nur einen kurzen Zucker und blieb ansonsten relaxed.  Soweit so gut.

Dann kam unser Sohn dran, bei dem Drifts  und Schnelligkeit aktuell oberste Priorität zu haben scheinen. Nun sind solche Drifts bei einem geräusch-empfindlichen Hund nicht gerade vorteilhaft. Also hat unser Sohn die Drifts etwas weiter vor uns gezogen und wir haben für jedes entspannt bleiben belohnt. Das an einem vorbei fahren war generell weniger einfach, da ja nicht nur unser Sohn mal an uns vorbei fährt, sondern auch andere Fahrradfahrer – denen es herzlich egal ist  ob da ein Hund läuft. Also lief diese Schiene zwar auch über Belohnung, aber mehr über Sicherheit bieten und beruhigen. Tabu hatte das ziemlich schnell drauf, das Fahrräder nicht beißen und ist heute wirklich super entspannt damit. Aber es benötigt eben Zeit und Geduld.

Staubsaugergeräusche

Wer einen Hund und zwei Kinder hat, der ist dazu verdammt den Stausauger zu schwingen und wenn’s blöd läuft auch zweimal am Tag. Ich vermutete anfangs mal, das Tabu als angeketteter Hofhund noch nie einen Staubsauger zu Gesicht bekommen geschweige denn gehört hatte. Anfangs haben wir ihn während wir Staub gesaugt haben immer auf den Hof bzw. in den Garten gelassen. Doch irgendwie war das auch  nicht die Lösung des Problems. Also mußte man da irgendwie anders herangehen. Wir saugten also nur noch auf leiser Stufe – brauchten dafür zwar länger da weniger Saugkraft – und bewegten uns im Zeitlupen-Modus durch die Räume. Doch welche Familie hat schon Zeit für ständigen Zeitlupen-Modus? Also alles wieder auf Normal, mit einer Ausnahme. Wenn wir Richtung Tabu kamen, warteten wir kurz ab so daß er ausweichen konnte (er hat hier im Erdgeschoß, wo sich sein Reich befindet, 4 Save-Spots die er aufsuchen kann). Inzwischen weicht er zwar immer noch aus und wir lassen ihn da auch gewähren, aber es gibt auch Zeitpunkte in denen er einfach liegenbleibt. Auch hier Zeit und Geduld und immer loben wenn’s gut klappt.

Über den Punkt wenn etwas herunter fällt muß ich glaube ich gar nicht mehr großartig was schreiben. Bei Tabu hat immer gegolten, solange er die Möglichkeit des Ausweichens hat ist alles okay. Denn dann bestimmt er das Tempo, wann er sich näher an das Geschehen ran wagt. Man muß einfach nur die Belohnungsmomente abpassen, damit er das damit auch verbinden kann.

Ich habe ja nun schon mehrfach gelesen und auch Kommis erhalten über Hundehalter, die ebenfalls Tierheim- oder Angsthunde haben. Wie habt ihr Euren Tieren beigebracht, daß gewisse Dinge einfach zum Menschenleben dazugehören und nicht so schlimm sind wie sie im ersten Moment erscheinen?

Liebe Grüße

Melanie

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