Baustelle #1: Autotraining

das autoAm Mittwoch berichtete ich Euch über die „Baustellen“, die wir mit Tabu so hatten und nach wie vor haben. Als Tierheimhund mit schlechter Vergangenheit wussten wir, das es sicherlich nicht einfach wird, aber machbar. Aus dem Beitrag „1 Jahr Tabu“ nehmen wir uns heute einmal Punkt 1 vor: Das Autotraining. Wie Tabu dem Auto anfangs gegenüber stand und warum er es nun mit dem Spruch „my car is my castle“ behandelt erfahrt ihr heute.
Das Abholen von Tabu im Tierheim verlief so, das er ins Auto gehoben und mit einer Leine gesichert wurde. Die Fahrt selbst war für Tabu recht stressig und er saß hechelnd hinten im Kofferraum. Als er dann anfing zu fiepen, hielten wir an und ich ging mit ihm in ein angrenzendes Waldstück,, da wir dachten er müsse sich mal erleichtern. Aber im Endeffekt hatte er nur keine Lust auf das Auto. Wir kamen vom Waldstück wieder und naja…äh….irgendwie musste er ja nun wieder ins Auto. Also wieder reinheben und weiter ging es. Im neuen zu Hause angekommen, war Tabu sichtlich erleichtert.

Wie aber haben wir nun trainiert, das Tabu inzwischen einfach reinspringt wenn der Kofferraumdeckel nur aufgeht.

Am Anfang haben wir Tabu Geschirr und Leine angelegt und sind nur um das Auto rumgelaufen. Er durfte selber entscheiden wie weit er geht, ob ganz herum oder es sich von ferner anschaut. Für jede Aktion die er pro Auto machte gab es ein Leckerli. Dies haben wir solange gemacht, bis er sich ohne Probleme  nah am Auto bewegte.

Der nächste Schritt war dann der Kofferraum, da er dort seinen Platz für etwaige Fahrten finden sollte. Da unsere Scheiben im hinteren Bereich dunkel foliert sind, haben wir inklusive dem Kofferaumdeckel auch alle anderen Türen des Autos geöffnet, damit es im inneren erstmal heller ist.

Immer noch an Geschirr und Leine haben wir nun eine „Leckerlispur“ gelegt, die ca. 2 Schritte vom Kofferraum entfernt begann und am Kofferraum endete (das letzte Leckerli lag auf dem Einstieg). Dies wiederum machten wir solange, bis er keinen Respekt mehr vor dem Einstieg hatte und das Leckerli angstfrei von dort wegholte.

Die Leckerlis haben wir dann immer weiter rein in den Kofferraum gelegt. Aber von reinspringen war noch nichts zu sehen. Es war eher ein vorsichtiges Reinklettern mit anschließender Flucht nach draußen. Mit viel Geduld und guter Zusprache trainierten wir den Punkt weiter, bis Tabu im Kofferraum stand und nicht gleich wieder raus hechtete.

Als dies geschafft war, kam der Kofferraumdeckel dran. Der war ihm überhaupt nicht geheuer, denn dann wurde ja dunkler. Also haben wir auch dies stufenweise trainiert. Am Anfang versuchte er noch immer zwischen dem Spalt rauszuspringen und ich habe ihn auch gelassen. Er merkte mit der Zeit aber, das der Kofferraumdeckel gar nicht beißt und ließ mich ihn zumachen. Ich ging dann auf die Rückbank des Autos und lobte ihn von dort ausgiebigst.

Mit Geschirr und Leine klappte nun alles schon ganz gut, aber ich wollte auch das er ohne Geschirr reingeht und sich quasi „wie zu Hause“ fühlen kann. Also ließen wir das Geschirr noch dran und machten aber die Leine ab, die als Führung gedient hatte. Ich ließ Tabu ein paar Schritte vor dem Kofferraum absitzen, der Kofferraumdeckel war offen, und ich ging auf die Rückbank. Von dort lockte ich ihn rufend mit einem Leckerli in den Kofferraum. Bis er aber tatsächlich in den Kofferraum sprang dauert es, denn er lief seitlich immer zu meiner Tür 🙂

Also setzte ich mich nach dem Absetzen mittig auf die Rückbank und machte die Tür zu. Dann rief ich ihn wieder. Er zögerte noch, lief ums Auto herum und wollte aber unbedingt an das Leckerli. Und dann sprang er einfach rein in den Kofferraum. Seit dem Punkt war es geschafft, denn er hatte gemerkt das es überhaupt nicht schlimm ist im Kofferraum zu sein.

Wir trainierten das Ganze noch eine Weile, bis er auch ohne Geschirr reinsprang und sich dort auch entspannt ablegte.

Das Ganze Training dauerte ca. 3 Monate (wir haben jeden Tag ungefähr 10 Minuten trainiert).

Inzwischen liebt Tabu „sein“ Auto und springt auch rein und legt sich ab, wenn ich das Auto auch mal sauber machen möchte.

Liebe Grüße

Melanie

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2 Kommentare

  1. Das kommt mir ein bisschen bekannt vor. Als wir Boerne abgeholt haben, haben wir ihn (weil er am ganzen Körper zitterte), mit einem Gurt und Geschirr auf der Rückbank mitfahren lassen. Ich habe mich dazu gesetzt. Das war dann schon ganz ok für ihn. Weil ich das mit der Rückbank eigentlich total klasse fand und der Meinung war „das gehört sich so“, habe ich ihn also immer auf der Rückbank gesichert.
    Das ging auch so lange gut, bis ich das 1. Mal mit ihm alleine im Auto fuhr. Da überlegte er sich nämlich mitten auf der Autobahn, dass es neben dem Frauchen viel gemütlicher ist und hat sich innerhalb von Sekunden aus dem Geschirr befreit und sich neben mich auf den Beifahrersitz gesetzt! Ich bin dann sofort runter von der Autobahn und habe ihn wieder fest gemacht und das Geschirr enger eingestellt. Er hat es aber dann nach ein paar Minuten wieder geschafft nach vorne zu klettern und so fiel die Entscheidung sehr leicht ein Kofferraumgitter zu kaufen. 😉 Das war mir einfach viel zu gefährlich.

    Bei uns hat es dann ca. ein Jahr gedauert, bis er in 95% der Fälle selber in den Kofferraum ein- und aussteigt. Erst musste ich ihn zuhause immer reinheben und wenn wir dann zurückgefahren sind, ist er immer von alleine reingehüpft. Inzwischen springt er auch zuhause alleine in den Kofferraum. 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi

    1. Hallo Steffi,

      ach herrje, das wäre mir während der Autofahrt auch zu gefährlich gewesen. Zum Glück hat Tabu sowas immer nur gemacht, wenn das Auto stand und ich die Lütte z.B. kurz in die Kita gebracht habe. Als ich zurück kam, saß er dann nicht mehr im Kofferraum sondern auf der Rückbank 🙂

      Ich habe damals dann die Kopfstützen (3 Stück) alle hoch gemacht und ein langes Seil einfach wie webartig durchgezogen. Das war dann quasi auch wie ein Hindernis und da ist er witzigerweise dann nie rüber gegangen. Inzwischen ist es aber wieder ab, da der Herr sich beim Losfahren dann meist eh ablegt.

      Liebe Grüße

      Melanie

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