Augen – der innere Spiegel

Augen der innere Spiegel
Irgendwie scheinen Menschen ein Faible dafür zu haben, alles was sie süß und putzig finden – seien es Kinder oder Tiere – gleich anfassen oder streicheln zu müssen. Und dabei wird auch nicht darauf geachtet ob die andere Partei möchte oder nicht. Auch für mich – bin ich ganz ehrlich – ein Lernschritt, den ich bei Tabu gehen musste und das zurecht.


Als wir damals umzogen, gab es vor Ort bereits einen Hund der von Welpe an bei seiner Familie wohnte und es gewohnt war gestreichelt zu werden. Egal ob am Kopf, an der Brust, über den Rücken oder am Bauch, er fand alles super und hat es genossen. Diese Information blieb natürlich im Gedächtnis und so kam es, das ich in den Anfängen – es war nur ein kurzer Zeitraum – merkte das Tabu das Streicheln von oben nicht mochte, es aber unter „okay er ist neu angekommen und muß sich erst an uns gewöhnen“ abtat.

Wir waren mit Tabu auch recht zügig dann beim Training, wo ich das erste Mal dann gesagt bekam, das ich meinen Hund beim Loben doch bitte vorne an der Brust streicheln soll und nicht am Kopf. Da wurde mir erst richtig bewusst, das Tabu nach wie vor immer den Kopf einzog und zurück wich. Ich ließ meine Gedanken noch mal Revue passieren, was mir zu Tabu erzählt wurde.

Als Kettenhund unter schlechten Bedingungen lebend wurde er dort weggeholt. Es gilt sicherlich nicht für alle polnischen Hofhunde, aber ein Teil davon darf sicherlich spüren, wenn der Hofherr mit einigen Dingen, die der Hund so tut nicht zufrieden ist. Das würde das Zurückweichen und die Panik erklären, sobald die Hand von oben kommt.

Also lobten wir nur noch über Leckerli oder Streicheleinheiten im Brustbereich. Am Rücken und Bauch ließ er sich zu Hause auch kraulen und bekam somit auch immer mehr Vertrauen. Es dauerte allerdings eine ganze Weile, bis er die Scheu bei uns verloren hatte und sich auch im Kopfbereich anfassen ließ. Damit meine ich jetzt nicht speziell die Streicheleinheiten, sondern auch mal Kontrollen am Maul oder den Ohren. Das ging zu Anfang überhaupt nicht. Durch positive Verstärkung und Leckerli-Gabe für jeden kleinsten Fortschritt kamen wir dem Ziel dann aber näher.

Aktuell ist es so, das er sich von seinen Vertrauten gerne über den Kopf streicheln lässt, bei Bekannten und Fremden allerdings immer noch seinen Respekt-Abstand einhält. Wenn man mit den Bekannten etwas länger steht oder läuft, verliert er hier aber die Angst auch recht schnell und lässt sich anfassen. Bei Fremden nach wie vor nicht – ist aber vielleicht auch gar nicht so verkehrt 🙂

Zusammenfassend kann ich aus unserer Sicht sagen, das ein Angsthund aus dem Tierheim wie  Tabu einfach viel Geduld, Zuwendung und Sicherheit benötigt um unbeschwert durchs neue Leben gehen zu können. Wir sind hier auf einem wirklich guten Weg mit einem wirklich tollen Hund.

Liebe Grüße

Melanie

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4 Kommentare

  1. Berührungen von oben sind aber für jeden Hund schwer.
    Luna, zwar 2nd Chance Dog, aber von einer tollen Züchterin und auch bei den Vorbesitzern nur Gutes erlebt, würde nicht nur zucken. Sie hättest du mitsamt ihren perlweißen Zähnchen in der Hand.
    Enki ist da weniger sensibel und zuckt auch nur etwas. Er hat mehr Toleranz für die Idiotie von Menschen. ?
    Berührungen von oben sind auf Hündisch halt niemals höflich.

    1. Hallo Stephie,

      ich sehe die Unterschiede schon hier bei Tabu und der Hündin meiner Schwiegermutter/Schwägerin die erst ein halbes Jahr hier ist. Höflich sind die Berührungen auf hündisch von oben ganz klar nicht, merkt man am Hund selbst ja wenn man mal beobachtet. Doch irgendwie ist man dazu geneigt als Mensch dies doch zu tun (warum auch immer). Durch Tabu bin ich da sensibler geworden und streichel ihn eigentlich nur am Kopf wenn er von sich aus kuscheln kommt oder wenn wir auf der Couch liegen und er seinen Kopf bei mir ablegt. Gelobt wird über Leckerli, Stimme oder Krabbeln an der Brust. Hat mir unsere Trainerin so eingeimpft 🙂

      Heisst nicht, das es mal Momente gibt wo ich es mal nicht auf dem Schirm habe. Aber Tabu weiß nach 1 1/2 Jahren das ich ihm damit nichts böses will und lässt es halt in den Momenten zu.

      Aber immer wieder ein Apell an mich mehr drauf zu achten. Wir Menschen mögen gewisse Sachen ja auch nicht.

      Liebe Grüße
      Melanie

      1. Das kenne ich gut, meine müssen das „von oben“ streicheln auch öfter ertragen. Das liegt wohl in unserer Natur und ich glaube auch, dass Hunde lernen, dass das unsere Art der Zuneigung ist. Nur bei Fremden wird es dann schwierig.
        Andererseits müssen sie ja genauso lernen, dass wir Anspringen, Gesicht abschlecken und die Schnauze zwischen den Beinen nicht höflich finden, schon gar nicht Fremde (nicht wahr, Enki?).
        Insofern müssen beide Parteien schon viel lernen, damit es mit der Kommunikation gut klappt.
        Ihr seid auf einem tollen Weg.

        1. Hallo Stephie,

          schön geschrieben und genau so ist es wohl 🙂 Ja das sind wir wirklich, aber es war ein harter Weg bis jetzt aktuell, ich würds aber immer wieder tun 😀 Wir mussten alle inkl. Tabu neues Regelwerk lernen. War oft hart an der Grenze der Nerven 🙂

          Liebe Grüße
          Melanie

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